4.2 Thesen

Zunächst möchte ich meine Thesen vorstellen, die Leitfaden für die spätere Behandlung sein sollen.

Wenn in diesem Kapitel von Kirche die Rede ist, so bezieht sich das auf die hier betrachtete Neuapostolische Kirche.

4.2.1 Problem der Stimmigkeit der Lehre

  • Einige Lehraussagen lassen sich nicht sachgerecht aus der Bibel ableiten. Die Bibel kann nicht als die Grundlage der Lehre der NAK betrachtet werden1).
  • Es ist nicht klar, welche allgemeinen christlichen traditionellen Lehraussagen von der Kirche vertreten werden und welche abgelehnt werden.
  • Grundlegende theologische Begriffe sind nicht klar definiert und leisten einer gewissen Beliebigkeit Vorschub.
  • Das Frauenbild der Kirche ist nicht mehr zeitgemäß. Frauen dürfen keine Ämter in der Kirche tragen und werden dennoch in Positionen eingesetzt, die eigentlich ein geistliches Amt erforderten2).
  • Das Evangelium wird so sehr verjenseitigt, vergeistigt und verprivatisiert, dass die Verbindung von Glaubensvollzug und Lebensführung gefährdet ist. Jesus wollte keine billige Vertröstung aufs Jenseits (wie Hochzeit im Himmel usw.), sondern die Wiederherstellung der ursprünglichen paradiesischen (weltlichen!) Ordnung und die Verwirklichung der prophetischen Visionen von einem „Leben in Fülle„ für Alle.3)
  • Die Apostel sehen ihren Auftrag fast ausschließlich darin, die Kirche zu leiten, die Lehre rein zu halten, die Sakramente zu spenden und Gottesdienste zu halten4). Doch Jesus beauftragte seine Apostel nicht nur, das Evangelium zu verkünden, sondern auch Kranke zu heilen, Aussätzige zu reinigen, Tote aufzuwecken und Teufel auszutreiben5). Die NAK distanziert sich jedoch strikt von solchen Praktiken.6)

4.2.2 Problem der Lehrvermittlung

  • Der Kirchenleitung ist es wichtiger, den Eindruck von Kontinuität in der Lehrentwicklung zu wahren, als die Gemeinden offen mit Lehränderungen und ihren Konsequenzen vertraut zu machen.
  • Die Kirchenleitung ist in grundlegenden Lehrfragen uneins. Dadurch ist unklar, in welche Richtung die Kirche steuert und wer die Kirche tatsächlich führt.
  • Die Kirchenleitung vermittelt nach außen (etwa die Medien betreffend) ein anderes Bild der Kirchenlehre als nach innen.
  • Die Kirchenleitung beschönigt die Geschichte der Kirche, indem sie unangenehme Fakten ausblendet.
  • Das Evangelium ist eine frohe Botschaft. Wenn es darum geht, die Mitglieder an die Kirche zu binden, wird jedoch eine Angst machende Botschaft verkündet: Wer die Gottesdienste nicht mehr besuchen möchte oder zu einer anderen Glaubensgemeinschaft wechseln will, dem droht der Verlust des Seelenheils.

4.2.3 Hauptthese

Die Hauptthese ergibt sich aus den zuvor genannten Thesen zur Stimmigkeit und zur Lehrvermittlung:

Der Neuapostolischen Kirche mangelt es an Wahrhaftigkeit.

Zum Begriff Wahrhaftigkeit meint der Brockhaus:

Wahrhaftigkeit, die charakterliche Haltung, der Wahrheit die Ehre zu geben; gegenüber anderen Personen gekennzeichnet dadurch, dass die Aussagen, die man ihnen gegenüber macht, in Einklang mit der eigenen Überzeugung stehen (äußere Wahrhaftigkeit), gegenüber dem eigenen Ich ausgedrückt darin, dass man die eigenen Motive und Verhaltensweisen hinsichtlich ihrer Wahrhaftigkeit ehrlich und selbstkritisch überprüft (innere Wahrhaftigkeit) wie auch in der Übereinstimmung des Handelns mit der inneren Gesinnung. Gründe mangelnder Wahrhaftigkeit können Irrtümer, Täuschungsabsichten gegenüber anderen und sich selbst (Lüge, Verdrängung) oder auch innere Konflikte sein.7)

Weiter: Die Bibel als Grundlage

Übersicht

1) Im Gegensatz zu F&A 1992, Nr. 4: „Die Bibel ist die Grundlage für die Lehre der Neuapostolischen Kirche.“
2) Die Sonntagsschule z. B. ist eher eine Frauendomäne. Wenn eine Frau in der Lehre tätig sein soll, sollte sie das m. E. mit dem entsprechenden kirchlichen Amt (etwa dem Diakonenamt) tun dürfen.
3) Das ist die zentrale Aussage von Georg Betz, Verehren wir den falschen Gott? Wider die Verharmlosung der Sache Jesu, 1993
4) Vergl. F&A 1992, Nr. 180, „Welche Aufgaben haben die Apostel?“
5) Mt 10,8. Vergl. Lk 10,9; Mk 16,18
6) So heißt es in einem Beitrag in Unsere Familie vom 5. Oktober 2003, im Artikel „Gewisse Heilmethoden bergen Gefahren für den Glauben“: „Gefährlich können auch Heilmethoden sein, die sich ausdrücklich auf Gott, Jesus oder die Heilige Schrift berufen und dadurch einen göttlichen Auftrag, eine göttliche Begabung vorspiegeln. Sie ste­hen nicht im Einklang mit neuapostoli­schen Glaubensinhalten.“
7) Brockhaus 2003, Artikel Wahrhaftigkeit
thesen.txt · Zuletzt geändert: 2009-12-30 08:04 von administrator
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